Die Instrumente des Bösen


Sie war am Kochen. Er auch, aber vor Wut. Ihre Beziehung verlief schon seit einer Weile sehr problematisch. Mehrfach ist die Situation bereits eskaliert. Heute würde es anders ausgehen. Es würde schlimmer werden. So schlimm, dass der Ehemann impulsiv nach einem Kochlöffel greifen würde, mit dem die Frau zuvor etwas Vorzügliches zubereitete, nur um ihn nun wiederholt gegen den Kopf gehämmert zu bekommen. Sie liegt auf dem Boden. Keine Reaktion? Er testet ihren Puls. Nichts. Sie ist tot.

 

Einen Tag später würde das gesamte Dorf von dieser Abscheulichkeit erfahren. Wer war Schuld? Es lag auf der Hand. Es war der Kochlöffel! Törichte Kritiker hinterfragten das Offensichtliche. "Wie kommt ihr darauf, den Löffel zu verurteilen?", fragten sie und bezeichneten es als "Absurdität". Der Löffel sei doch ein friedliches Instrument und in allen möglichen Gemeinden würde es für einen friedlichen Zweck verwendet werden. Immer diese idealistischen Freigeister mit ihren seltsamen Ideen! Der Löffel wurde doch wohl nicht grundlos so geschaffen, dass man damit jemanden umbringen kann. Auf Löffelnutzer wurde daher seitdem besondere Aufmerksamkeit gelegt. Es würde sicherlich Frieden herrschen, wenn sie den Löffel abgeben.

 

Tage später: Es schien wie ein ganz normaler Abend. Sie war dabei, Zwiebeln zu schneiden. Was für ein schöner Abend es hätte werden können. Doch das Messer, das sie nutzte, würde wenig später in Ihrem Magen landen. Dieses eine Mal würde ihr Gatte zu weit gehen.


Die gesamte Gemeinde war zutiefst bestürzt über diese schlimme Tat. Und auch dieses Mal lag die Ursache allen Übels klar auf der Hand. Es war das Messer! "Aber das Messer ist dafür gemacht um Gemüse, Obst oder Fleisch zu schneiden! Es ist für friedliche und nützliche Zwecke gedacht.", argumentierte ausgerechnet ein Metzger. War ja klar, dass dieser das Messer in Schutz nehmen und die Schärfe des Messers gar nicht erwähnen würde, wo sie doch die Grausamkeit des Messers beweist. Seine Beschaffenheit ist noch viel gefährlicher als die des Löffels. "Aber Messer werden in vielen anderen Gemeinden für friedliche und konstruktive Zwecke genutzt", beschönigten es weitere. Doch eines war nun klar: Alleine die Idee eines Messers war eine Gefahr. Daher wurden die Nutzer von Messern besonders aufmerksam beobachtet.

 

Es geschah immer und immer wieder in der Geschichte, dass Menschen durch das Messer ums Leben kamen, belegt durch unzählige Autopsien und Studien. Sämtliche Wissenschaftler sind sich einig, dass es einen Zusammenhang zwischen Messer und Gewalt gibt. Statt die Schärfe der Klingen zu verurteilen, präsentieren viele ihre Messer als Teil eines glanzvollen Bestecks, angeblich bloß Kochutensilien. Doch so unscheinbar das Messer auch sein mag, es ist eine klare Bedrohung. Man betrachte sich allein die Taschenmesser, die angeblich für friedliche Zwecke verwendet werden. Und spätestens wenn man auf die Kampfmesser verweist, dann heißt es, dass diese ja bloß der Verteidigung dienen würde.

 

Gewiss war es nur eine sehr geringe Anzahl von Menschen, die mit Messern, Löffeln und anderen Utensilien, deren Zugang nach und nach eingeschränkt wurde, Unheil anrichteten. Aber sollten wir warten, bis noch mehr Menschen durch die Instrumente des Bösen ums Leben kommen?

 

Nichtsdestotrotz war die Gemeinde natürlich äußerst fortgeschritten und wusste zu differenzieren, und zwar zwischen den radikalen 'Löffelisten' und 'Messeristen' einerseits, und den moderaten Nutzern von Messern und Löffeln andererseits. Erstere terrorisierten ganze Gemeinden, während letztere meinten, dass sie Löffel und Messer für ihren eigentlichen Zweck nutzen würden. Aber zu viele Menschen sind bereits durch diese Instrumente ums Leben gekommen. Es war an der Zeit, sie zu verbieten. Von nun an würde die Welt sicherlich friedlicher sein.

 

Doch das änderte leider nichts am Schicksal der jungen Dame, die nicht lange später sterbend auf dem Boden lag. Es klebt Blut auf seinen Händen. Lange gingen wir der Ursache auf die Spur. Man sollte keine voreiligen Schlüsse ziehen, das Ganze objektiv betrachten und Spekulationen vermeiden. Wahrlich, eine Tragödie. Zum Glück hatte er kein Messer zur Hand.

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