"Alleine"

 

Der Flug nach Holland mit meinen Freunden letztes Jahr war bereits nicht ganz leicht zu organisieren. Mit weiteren Personen eine solch ausgefallene 12-Flug-Reise zu planen erweist sich selbstverständlich als noch viel schwieriger. Zuerst müsste man ein ganzes Weilchen darüber diskutieren, welche Länder man besucht, bis man wahrscheinlich alle Pläne verwirft. Mehrere Länder standen bei mir schon längst fest und ich würde da keine Kompromisse eingehen wollen. Wer würde mit mir nach Pakistan gehen in der gegenwärtigen Lage dort? Wen könnte ich mitnehmen nach Pakistan, oder nach Australien, USA und Dubai, wo wir dann bei praktizierenden Moslems übernachten würden? Und wenn sich so jemand findet, der dann auch keine Probleme hat mit den Ländern, die ich aussuche, hat er überhaupt Zeit und Geld? Ganz klar: Ich musste das "alleine" durchziehen. Ich setze hier "alleine" in Gänsefüßchen, da ich keineswegs so alleine war. Ich traf Verwandte und Freunde in fünf der zehn Länder. Es war relativ leicht sich in den Hostels mit Backpackern aus aller Welt zusammenzuschließen, genauso auch mit den Touristen in Tour-Angeboten. Ich habe somit nicht nur die Chance gehabt Einheimische aus den entsprechenden Ländern kennenzulernen, sondern Menschen aus aller Welt: Aus Kanada, Frankreich, England, Spanien, Nepal, Korea, Japan, Finnland, Malawi, Südafrika, Russland, Indien, Brasilien und weitere Länder. Reisen mit Freunden ist immer super, das habe ich in Ländern wie Tschechien, Marokko oder Holland gemerkt. Alleine zu Reisen ist eine Herausforderung, doch sicherlich nicht weniger aufregend: Man lernt viel eher Einheimische kennen, denn man neigt viel eher dazu Leute anzusprechen (wie es bei mir mehrmals in New York der Fall war) oder die Einheimischen neigen viel eher dazu, allein Reisende anzusprechen (wie es bei mir sehr oft in Sarajevo der Fall war). Außerdem nimmt man generell alles Mögliche viel eher wahr, was sich im folgenden Bericht deutlich zu erkennen geben wird.

 

 

Leiden schafft

 

Eine solche Reise mit diversen Stopps in kurzen Zeitintervallen durchzuführen kann sicherlich anstrengend werden. Es steht außer Frage, dass dies kein üblicher Urlaub war, bei dem ich ein oder zwei Wochen am Strand liegen würde. So schön ein solches Erlebnis auch sein kann, lagen die Schwerpunkte für dieses Around the World-Projekt ganz woanders. In einigen Momenten würde ich über meine Grenzen gehen müssen, aber genau das war erwünscht und würde die Reise nur noch interessanter machen. Nach mehreren harten Arbeitstagen wünscht man sich einerseits keinerlei Anstrengungen. Andererseits ist das anstrengende an der Arbeit genau die Restriktionen hinsichtlich freier Bewegung und Erkundungen, zumindest wenn es sich um Bürojobs oder Ähnlichem handelt, bei dem man die meiste Zeit auf einem Stuhl sitzt bzw. sich kaum bewegen kann und die Routine den freien Geist bedrängt. Wenn das Wort „Urlaub“ zu sehr nach Entspannung klingt, dann wäre das Wort „Abenteuer“ wohl zutreffender. Die Anstrengung, ja die Herausforderung war erwünscht. Ich entwickelte eine Leidenschaft für das Fremde und Ferne. Einen Freizeitsportler würde man auch nicht fragen, ob die von ihm geforderten Leistungen denn nicht anstrengend waren. Letztendlich sind es all diese Anstrengungen, welche die besonderen Momente noch größer und bedeutungsvoller machen.

 

 

Diverse Kulturen

 

Man wird niemals von sich behaupten können, alles im Leben gesehen zu haben. Mit nicht viel mehr als sechs Wochen war die Zeitspanne für eine Weltreise bedenklich kurz. Wie relativ Zeit ist, würde mir allerdings schnell bewusst werden. Die Möglichkeit war gegeben, sich für weniger Länder mit einer längeren Aufenthaltszeit zu entscheiden. Auf welche Länder ich verzichten sollte, viel mir schwer, und auch auf die freien Zusatzstopps, die ein solches Ticket ausmachen, wollte ich natürlich nicht verzichten. Der Gedanke, die verschiedensten Kulturen in diesem Zeitraum kennenzulernen, gefiel mir. Keine Sekunde kam die Sorge auf, irgendetwas zu verpassen. Was hätte ich nicht alles verpasst, wenn es gar nicht zu dieser Reise gekommen wäre?

 

Ein einziges Land im Detail zu erkunden ist sicherlich sehr lohnenswert, doch ich kann versichern, dass es nicht weniger lohnenswert ist, sich einen Überlick über zehn Länder zu verschaffen. Es ist wie mit dem Essen in einem indischen oder chinesischen Restaurant: In anderen Restaurants bestellt man ein Gericht und isst die ganze Portion auf. In chinesischen oder indischen Restaurants kriegt man mehrere verschiedene Gerichte auf den Tisch gelegt, probiert von allem etwas, ist am Ende auch satt, kann gleichzeitig Vergleiche ziehen und überlegen, was man nächstes Mal wieder bestellt. Genauso war es mit der Weltreise. Dass ich irgendetwas verpasse, war meine letzte Sorge.

 

Der Bericht

 

Der folgende Bericht ist in vielen Episoden unterteilt. Ich werde den Reisebericht auf unkonventionelle Art und Weise schreiben: Mal sachlich, mal wie einen Roman, je nach Lust und Laune. Auch wird mein Reisebericht nicht daraus bestehen alle Sehenswürdigkeiten im Detail zu beschreiben, dafür hat man ja Google. Es wird vorkommen, dass ich nur einen Satz über eine Sehenswürdigkeit loswerde, oder einen ganzen Absatz über kleine, belanglos erscheinende oder seltsame Dinge schreibe. Der Fokus liegt also nicht nur auf Sehenswürdigkeiten, sondern auf alles Mögliche, was man individuell als Reisender sehen, erfahren, lernen und erleben kann.

 

- Shahab Uddin

 

 

 

 

Travel Projects

I.    Around the World (2010)                                                           

II.   Stairway to Heaven (2011)

III.  Travelution (2012)

IV.  Era of Epicness (2013)

V.   Emergency Exits (2014)

VI.  The Slippery Path of Uncertainty (2015)

VII. Age of Turbulence (2016)

VIII. Against All Odds (2017)

IX.  Evasive Maneuvers (2018)

 X.  Home is Everywhere (2019)

XI. ??? (2020)