Era of Epicness – Final Round – Brazil feat. Argentina and Paraguay

 

Auf dem Weg nach Rio de Janeiro

 

Seit 2010 hatte ich jeden weitgehend besiedelten Kontinent bereist, bis auf einen. Spätestens seit 2011 gab es ernsthafte Planungen, diesen Kontinent zu bereisen, doch immer funkten die Umstände und neuere Entwicklungen wie das VoIP-Experiment, das ab 2012 begann, dazwischen. Nun schreiben wir das Jahr 2013, und dieser Aufenthalt in Südamerika war lange vorher geplant. Wie es schon bei diversen anderen Ländern der Fall war, schwieg ich über mein Vorhaben.
 

Es begann an einem Mittwoch mit einem Flug nach Amsterdam, wo ich seit 4 Jahren nicht mehr war, noch bevor die großen Reiseprojekte begannen. Damals, als auf den Straßen viel los war, fastete ich. Dieses mal, als ich bereit war die Nacht durchzufeiern um den nächsten Flug zu nehmen, war es ein recht kalter und unspektakulärer Abend. Dennoch war es ein guter Anfang, sich eine Liveband anzuschauen und sich mit den Einheimischen in Holland zu unterhalten, bis es dann schlussendlich in den Flieger ging, der mich nach 12 Stunden in den sechsten Kontinent befördern würde.

 

Die ersten Impressionen

 

In Rio angekommen begutachte ich viele der dort lebenden Menschen. Dass der Strand nicht weit entfernt ist, merkt man an bereits am Flughafen an der Bekleidung vieler Damen und Herren. Unproblematisch gelange ich mit einem unheimlich schnell fahrenden Bus nach etwa einer Stunde an der Avenida Atlantica am Siquiera Campus in Copacabana. Es ist dunkel. Ich schaue mich nach einem Hostel um und vemute, dass die Hostels ein paar Blocks weiter hinter den groß aufgezogenen Hotels versteckt sind.

 

Normalerweise bin ich es gewohnt, viele australische, europäische und amerikanische Touristen kennezulernen. Stattdessen waren die meisten hier Südamerikaner aus Argentinien, Chile und auch aus Kolumbien. Die Eleganz der Damen gefiel mir von Anfang an. Paul, ein schwarzer Amerikaner aus New Orleans, ist der Barkeeper des Hostels und sorgt dafür, dass alle in Stimmung bleiben, besonders die Frauen.

 

 

Die Statue wacht auf dem höchsten Punkt der Stadt mit den Armen ausstreckend über die Menschen. Ich beschließe, einfach hin zu laufen, ohne zu wissen, wie weit Cosmo Velho, der entsprechende Bezirk, tatsächlich entfernt ist. Auf dem ersten Blick sah es ziemlich nahe dran aus. Mein letzter Aufenthalt im Balkan ließ mich vielleicht immer noch im Glauben, dass alles so dicht aneinander dran ist, obwohl ich schon auf der Fahrt vom Flughafen zum Copacabana gemerkt habe, wie wahnsinnig groß Rio ist. So unterschiedlich diese zwei Städte so sind, erinnerte mich nicht nur die Größe, sondern auch die Chaos-Atmosphäre zurück an Kairo, nur dass hier noch dazu getrunken und gefeiert wird. Irgendwann sehe ich Stufen vor mir, die hoch zu einem Hügel führen. Auch, nachdem ich da hoch laufe, merke ich nicht einmal, dass ich am Anfang einer Favela war, was ich erst am letzten Tag in Rio erfahren würde.

 

Eine argentinische Sexbombe verdrehte den Kerlen im Hostel den Hals, diese hielten sich bei der blonden Dame zurück, da ihr brasilianischer Freund, der ein Fußballer ist, an ihrer Seite war. Für nette Unterhaltungen und scheinbar unschuldigen Flirtereien reichte es mit einem anderen Herren aus, den ich später etwas genauer kennenlernen würde. Amir, ein israelischer Palästinenser, lebte 6 Jahre lang in Deutschland, so dass wir uns auch auf deutsch unterhalten konnten.

 

 

 

Nach einem Kokusnuss-Drink am Strand nehme ich den Cable-Car, der mich zum ersten Felsen befördert. Bereits von hier aus hat man eine gute Aussicht auf die verschiedenen Stadtteile, bei dem der sichelförmige Bogen am Copacabana nicht weniger heraussticht, als die vielen bunten Favela-Viertel.

 

Am Samstag Abend, nachdem ich vom Zuckerhut zurückkam, schmiedete ich Pläne mit Amir. Wir wollten was ausmachen, wann wir uns im Aufenthaltsraum treffen, um gemeinsam um die Häuser zu ziehen. Wir waren irgendwann beide fast bereit. „In 10 Minuten treffen wir uns hier, ja?“, sage ich zu ihm. „Sei nicht so deutsch“, antwortete Amir und spielte auf das Klischeé der deutschen Pünktlichkeit an. Wir beschlossen in einen Bezirk in Rio zu gehen, der bekannt ist für sein Nachtleben. Marcio begleitete uns und riet uns, lieber den Bus zu nehmen. 

 

Das Wahrzeichen von Lapa sind die "Arcos da Lapa", oder die "Bögen von Lapa", vor denen eine sehr geringe an Zahl von Zelten der Demonstranten aufgestellt sind. Laut Marcio zählt Lapa zu den gefährlicheren Gegenden. Nachts sollte man hier wachsamer als sonst sein, aber solange man auf der Hauptstraße war, schien es kein Problem zu sein. Hier reihen Unmengen von Cafés, Bars und Clubs aneinander, die Schlangen sind in einigen Fällen unendlich lang, die Stimmung an Wochenenden riesig, wobei uns Marcio sagte, dass die Straßen hier normalerweise total rammelvoll ist, aber heute nicht, da es geregnet hat.

 

Marcio und ich begaben uns auf eine kleinere, aber viel wildere Straße, die uns schon vorher aufgefallen war. Amir erklärte uns, dass er in eines der dort stehenden Clubs drin war uns es dort animalisch zuginge. Auf der Straße sehen wir Leute in Capoeira-Manier tanzen, viele Mädels lehnen sich gegen die Wand und tragen freizügige Klamotten. Es ist ziemlich eindeutig, was sie tun würden, wäre diese Straße nicht von der Polizei überwacht. Generell wenn man sich hier die Leute anschaut, ist es nicht schwer zu erraten, was hier alles passieren würde, wenn die Polizei nicht da wäre. Möglicherweise hat das auch mit der kommenden WM zutun

 

Eine Gruppe von chilenischen Damen gaben sich kontaktfreudig, aufreizend, und gleichzeitig elegant. Sie waren selbstbewusst, ohne einen Hauch Arroganz auszustrahlen. Eine Deutsche Touristin klagte darüber, wie es hier in Rio de Janeiro ziemlich oberflächlich sei. Das ist nicht wirklich gelogen, da müsste man schon in die Favelas gehen oder zumindest in andere Städte als diese Weltmetropole, die gleichzeitig eines der heißesten Touristenstädte der Welt ist.

Was würde ein Club auch für einen Sinn machen, wenn es nicht um Oberflächligkeiten ginge?

 

Das ist das Problem in Rio: Man will 24 Stunden wachbleiben. Einerseits will man tagsüber am Strand liegen, sich Sehenswürdigkeiten betrachten und die tollen Aussichten genießen oder sich andere Aktivitäten  vornehmen, andererseits will man die ganze Nacht durchfeiern.

 

Ich irrte an einem Sonntag herum und stieß irgendwann auf eine Samba bar, die recht versteckt war. Dafür musste ich einige Stufen hochlaufen. Der Türsteher schienen nicht sehr einladend, aber scheinbar hatten wir uns nur missverstanden und er ließ mich rein. Hier war ich in einer anderen Welt, wo nur die Einheimischen zu Samba getanzt haben. Nachts sehe ich eine Razzia.

 

Eine neue Woche beginnt, im Hostel komme ich mit einer Brasilianerin ins Gespräch, die hier in Rio ein Vorstellungsgespräch hat. Mit ihr beschließe ich, nach Lapa tagsüber zu gehen. Auch hier waren wir wieder in einem Cafe, wo traditionelle Musik gespielt wurde und tauschten uns über unsere Kulturen aus.

 

Als nächstes war eine Bar angesagt, die sich „Emporio“ nennt und in Ipanema ist.

 

Hier lernten Sie meine andere Seite kennen und während ich mich die Tage zuvor wie Buskape vom Film City of God fühöte, der immer nur der Beobachter war und viele Fotos geschossen hat, fühlte ich mich wie der andere Charakter im Film, der plötzlich total Inn ist.

 

 

Christo Redentor

 

Bei meiner Ankunft hatte ich die ganze Zeit nach ihm Ausschau gehalten und nicht gesehen. Als ich es nicht erwartet hatte, sah ich ihn plötzlich von der Kreuzung auf der Straße aus, wo mein Hostel war. Auf dem Weg zum Zuckerhut sah ich ihn noch einmal, bis ich dann auf dem Zuckerhut war und von dort aus faszinierte hinüber zum Hügel blickte, wo Christo Redentor steht. Immer wieder zogen Wolken vorbei, mal sah man ihn, mal verschwand er hinter den Wolken. Aber heute hätte ich noch die Möglichkeit, vor ihm zu stehen, was bei einem Aufenthalt in Rio eigentlich obligatorisch ist. Die letzten Tage bin ich gar nicht hingegangen, weil sich das Wetter zunehmend verschlechtert hatte bzw. ich abwarten wollte, dass die Wolken sich ganz verziehen. Leider wurde alles nur noch bewölkter, vor allem heute. Aber das hielt mich nicht davon ab, nach Cosmo Velho zu gelangen, um zur Statue zu kommen. Erstmals nahm ich die Metro, und fragte dort einfach mehrfach nach Christo Redentor, so dass mir die Richtung gezeigt wurde. Irgendwann komme ich dort an, von wo aus ein Zug den Touristen den Hügel hoch befördert. Das Personal rät mir davon ab, hochzugehen, weil die Wolken alles verdecken würden und ich möglicherweise gar nichts da oben sehen werde.

 

Du hattest aber wirklich viel Spaß gestern“, sagte mir eine Engländerin. Im Hostel gesellte sich ein neuer Amir zu uns, diesmal war es ein in Amerika lebender Iraner, mit dem ich mich natürlich über jenes Thema unterhielt. Wir hatten ein paar interessante Unterhaltungen, aber schlussendlich ging es vor allem Amir darum, einfach Spaß zu haben, und ich schlug ein zweites Mal das Emporio vor um zu sehen, ob ich wieder die Show stehlen konnte. Wir hatten wieder eine super Zeit in dem Laden, auch wenn da haargenau die gleiche Musik gespielt wurde. Sehr spät nachts, bevor die Sonne aufging, begaben wir uns zum Ipanema Strand und alberten dort herum, bis die Wellen meine Klamotten trafen, nachdem ich mich ausgezogen und eine Weile im Wasser geschwommen hatte.

 

 

Travel Projects

I.    Around the World (2010)                                                           

II.   Stairway to Heaven (2011)

III.  Travelution (2012)

IV.  Era of Epicness (2013)

V.   Emergency Exits (2014)

VI.  The Slippery Path of Uncertainty (2015)

VII. Age of Turbulence (2016)

VIII. Against All Odds (2017)

IX.  Evasive Maneuvers (2018)

 X.  Home is Everywhere (2019)

XI. ??? (2020)