Khazne Al-Firaun

Ich vergewissere mich noch einmal, dass ich in die richtige Richtung laufe. Es ist dunkel und ich betrachte einen Gelben Mond, der erstaunlich schnell hinter den Bergen verschwindet. Auf dem Weg erblicke ich unbewachte Souvenirstände. Es hätte nie jemand gemerkt, wenn ich etwas mitgenommen hätte. Die Verkäufer schlafen alle. Es dauert etwa 20 Minuten, bis ich vor dem Ticketoffice stehe, das noch geschlossen hat. Ich muss jetzt noch warten, bis ich rein kann. Die Sonne geht bald auf, meine Geduld schwindet.

 

Ich wollte nur ein Stück weiter laufen um mir ein genaueres Bild machen zu können. Dann sah ich zwei Touristen bereits reingehen. Der Eingang war total unbewacht, wie die Souvenirstände zuvor. Diesmal ist die Verführung sehr groß. Nachdem ich kurz nach rechts und links schaue, beschließe ich einfach rein zu gehen und spare mir den Eintritt, der 90€ beträgt, und hoffe darauf, dass es anschließend niemandem auffällt.

 

Der schwarze Himmel entwickelt sich stufenweise von einem dunkelblauen, zu einem immer helleren blauen Himmel, während ich die Schluchten entlang laufe, die man aus der letzten Szene des Films Indiana Jones 3 kennt. Der Film wird übrigens sehr stark umworben, da er zweifelsohne viel zum Status dieser Sehenswürdigkeit als Touristenattraktion beigetragen hat, Jahre nachdem Petra als UNESCO-Welterbe anerkannt wurde.

 

Mich umgibt eine angenehme Stille, während ich die eindrucksvollen Schluchten mit den Schmalen Wegen laufe. Aus der riesigen Ritze dieser Schlucht, mitten im sogenannten „Siq“ (Schacht), tritt schließlich etwas zum Vorschein, das man bereits aus einer Distanz erkennen kann, und man kann nicht anders, als von der Schönheit dieses prestigeträchtigen Bauwerks überwältigt zu sein. Ansatzweise erkennt man durch die Ritze bereits zwei der sechs korinthischen Säulen des Untergeschosses. Ich stehe vor dem im Fels geschlagenen Mausoleum Khazne Al-Firaun, das von den Beduinen vor etwa 2000 Jahren als Schatzhaus gesehen wurde.00

  

Bei den Stufen, die einen zu den höheren Etagen der Steinhöhlen führen, verzichtete man offenbar auf strenge Sicherheitsvorkehrungen. Es ist überraschend, wie frei man sich hier bewegen darf, da die Verletzungsgefahr doch nicht ganz zu unterschätzen ist. Ein Beduinenkind, das gut englisch spricht, lädt mich zum Tee mit der Mutter ein und bietet mir eine Postkarte an. Ich lehne dankend ab. "Ich will kein Geld dafür", erklärt sie mir in einem Englisch, das man einem Beduinenkind niemals zutrauen würde, wenn man sich nicht in einer Touristenhochburg wie Petra befinden würde. Es drängt in keinem Moment nach Belohnung, als wäre die Gewissheit da, dass es ohnehin belohnt werden würde. Die Mutter bereitet mir auf traditionell beduinische Art und Weise einen Tee zu und wir versuchen uns dabei mit Händen und Füßen zu verstehen. Auch sie scheint das Geld nicht für sonderlich wichtig zu erachten, und ist beeindruckter von meinem Feuerzeug, das ich ihr anschließend schenke.

 

Mit dem Bus komme ich wenig später wieder in Aqaba an. Die Taxifahrer bestanden wie üblich darauf, dass keine Busse mehr fahren. Ein Mann sitzt neben mir und raucht eine Zigarette. „Wo möchtest du hin“, fragt er mich, ohne mir in die Augen zu schauen. „Nach Aqaba“. „Du kommst aus Pakistan oder?“ „Ja genau“, antworte ich verwundert. „Und du bist in Deutschland geboren“. Ich nicke zustimmend. „Shahab“. Nach dem Aufenthalt in Israel habe ich ständig das Gefühl, von irgendwelchen Agenten umgeben zu sein.

 

 

Alles hat geschlossen, bis auf einen Stand, wo ich auf zwei Kinder treffe, die mir etwas zu Essen zubereiten. Im Hintergrund sehe ich eine Blutlache, die durch das Schlachten eines Kalbs entstanden ist. Bei der Massenproduktion und der ästhetischeren Verpackung in Supermärkten verliert man so schnell das Bewusstsein darüber, dass das Abendessen einmal lebendig war.

 

Zurück in Aqaba mache ich mich fertig. Das günstige Hotel beschert mir und meiner Bekanntschaft aus Palästina einen schönen Ausblick. In Jordanien, wo es den Menschen wirtschaftlich sehr viel besser geht als in anderen arabischen Ländern, fehlt es 

 

Der Grenzkontrolleur schaut sich meine Stempel in Reisepass an. Wie auch schon bei den israelishen Grenzkontrolleuren, fällt ihm besonders ins Auge, dass ich mich in Iran und im Libanon aufgehalten habe, und entsprechend werde ich auch befragt, allerdings geht das ganze Recht schnell von Statten. Nach langem Warten befördert mich die Fähre nachts nach Ägypten, wo wir morgens ankommen. Wegen eines fehlenden Stempels kommt es zu einigen Komplikationen. Es war mit dem Grenzübergang von Iran nach Pakistan wohl der mühseligste Grenzübergang. Bei der israelischen Grenzkontrolle war zumindest eine spannungsgeladene Atmopshäre. Hier war es mühselges warten. Schnell merke ich, dass ich in Ägypten angekommen bin, wo die Taxifahrer besonders penetrant sind und mir vergewissern, dass hier kein Bus nach Sharm el Sheikh fährt, von wo aus ich einen Bus nach Kairo zu nehmen gedachte. 

 

 

 



Travel Projects

I.    Around the World (2010)                                                           

II.   Stairway to Heaven (2011)

III.  Travelution (2012)

IV.  Era of Epicness (2013)

V.   Emergency Exits (2014)

VI.  The Slippery Path of Uncertainty (2015)

VII. Age of Turbulence (2016)

VIII. Against All Odds (2017)

IX.  Evasive Maneuvers (2018)

 X.  Home is Everywhere (2019)

XI. ??? (2020)