Die Krim nach der Eingliederung in die Russische Föderation


"WARNING: Currently Crimea region of the Ukraine is annexed by Russia. Most countries in the world do not recognize Crimea as a part of Russia. As a result, Crimea is considered a War Zone. There was a report of 1 Ukrainian soldier killed in Crimea by Russian soldiers, and currently, it is NOT recommended to visit Simferopol at this time until the situation is resolved. Access to the Crimea has been made difficult by both pro-Russian and pro-Ukrainian forces. As the current heated situation in the Crimea continues, many governments have warned travellers not to visit unless essential. If you must go, be sure to exercise extreme caution, as the situation could quickly escalate. DO NOT, in any, case wear clothing with EU, Ukrainian or US insignia."

 

Wikitravel - Simferopol Article - Access Date: September 14th, 2014

 

--------------

"Von Reisen auf die Halbinsel Krim wird dringend abgeraten. Die Krim gehört aus Sicht der Bundesregierung völkerrechtlich weiterhin zur Ukraine, wird aber derzeit faktisch von Russland kontrolliert. Konsularischer Schutz kann deutschen Staatsangehörigen dort angesichts der aktuellen Lage derzeit nicht gewährt werden. Von Reisen in östliche Landesteile wird ebenfalls dringend abgeraten. Deutschen Staatsangehörigen, die sich in diesen Landesteilen aufhalten, wird die Ausreise empfohlen."

 

Wikitravel - Artikel zur Krim - Datum: 14.09.2014

 September, 2014 - Emergency Exits - Exit 12:  Crimea


Es war ungewiss, ob es überhaupt möglich war, von der Halbinsel am Schwarzmeer die Ukraine zu betreten. Sechs Monate zuvor wurde die Krim auf eine kontroverse Art und Weise in die Russische Föderation eingegliedert. Von der Krim aus die Ukraine zu betreten erschien mir jedoch realistischer als anders herum. Also buchte ich einen Flug von Moskau nach Simferopol. Nachdem ich eine Nacht in einer Unterkunft am Bahnhof verbrachte, erkundete ich am nächsten Tag die Hauptstadt der Krim und verschaffte mir meine ersten Eindrücke auf der Halbinsel. 

 

Eines der ersten Dinge, die mir auffielen, war ein Plakat, das eine euphorische Menge darstellte, welche die Eingliederung in die Russische Föderation feierte. Alles nur böse Propaganda? Wenn man sich hier umschaut, versteht man ganz schnell, warum solche Unterstellungen oftmals selbst als Propaganda bezeichnet werden. Denn selbst sechs Monate später zeigen sich die meisten Einwohner der Krim stolz und erfreut über die jüngsten Entwicklungen. Einige stehen auf der Straße und reden miteinander in bester Laune über "Rossiya", sie scherzen und lachen. Andere drücken ihre Zugehörigkeit zur Russischen Föderation bereits aus, indem sie ihre Gesichter mit den Farben der russischen Flagge bemalen. Es schien auch niemanden zu stören, dass die Preise in der ukrainischen Währung auf den Schildern und Menükarten aller möglichen Restaurants durchgestrichen und mit Preisen in der russischen Währung ersetzt wurden. Auch nach Monaten hängen im Bus Zettel aus, welche die Insassen darauf aufmerksam machen, dass ab dem 1. Juni nur noch die russische Währung akzeptiert wird. Als ich aus dem Bus steige, schaue ich mich um. Wie an jedem x-beliebigen Tag waren die Einkaufsstraßen überfüllt mit Menschen. Wenn das eine "Kriegszone" ist, wie einige Quellen es zu dem Zeitpunkt bezeichneten, dann war es wohl die friedlichste Kriegszone der Welt und man könnte sich nur wünschen, dass jede Kriegszone so aussehen würde.


Viele Russen haben die Krim bereist, um ihre Verwandten zu besuchen und um mit ihnen gemeinsam die Rückkehr der Krim in die Russische Föderation zu feiern. Simferopol wurde auch noch im Herbst mit so vielen russischen Reisenden überflutet, dass ich in der letzten Nacht keine Unterkunft fand, was mir noch mehr Zeit gab, um mir weitere Eindrücke von der Stadt zu verschaffen. Doch während ein Aufenthalt in Simferopol dem Reisenden schnell eine Vorstellung davon geben kann, was die Einwohner von den jüngsten Entwicklungen bezüglich der Krim halten, ist diese Stadt nicht so sehr für ihre touristische Anziehungskraft bekannt. Für die meisten Reisenden ist es vielmehr ein Zwischenstopp, der sie zu den Stränden der historischen Stadt Sewastopol oder in die berüchtigte Yalta-Region führt. Letzteres war mein nächstes Ziel.

 

Nach einer zweistündigen Busfahrt, einem zweistündigen Spaziergang entlang der schönen Küste und einem kurzen Abstecher zur 114 Jahre alten Alexander-Newski-Kirche, kam ich schließlich am Lenin-Platz an, wo die Statue des russischen Nationalhelden auf das weite Meer blickt. Wie auch in Simferopol findet sich hier eine "McDonald's-Ruine". Die Firma hat vor kurzem ihre Geschäfte auf der Halbinsel eingestellt, angeblich wegen der unsicheren Situation in der Region. Wenn dem so ist, dann stellt sich die Frage, warum man in der ukrainischen Stadt Kharkiv, wo die Menschen eine Ausweitung des Krieges in der Ostukraine befürchten, sogar zwei McDonald's findet, die nur zwei Blocks voneinander entfernt sind. Es deutet darauf hin, dass diese Entscheidung unter politischem Druck getroffen wurde, denn in die Krim zu investieren heißt heute auch, dass man in die russische Regierung investiert. 

 

Der Rückzug des Fast-Food Giganten, der ohnehin zunehmend in die Schusslinie gerät, hinterlässt keine große Lücke. Es gibt genügend und viel bessere Alternativen zum McDonald's. Wenn man schon hier ist, warum probiert man nicht Borsch oder andere lokale Gerichte? Für Reisende, die kaum oder kein russisch sprechen, kann es auf der Krim jedoch in bestimmten Situationen etwas komplizierter werden, denn die meisten Menschen sprechen hier kein Englisch. Auch wenn ich nur wenige Wörter auf russisch verstehe, erwiesen sich meine kyrillisch-Kenntnisse als sehr hilfreich, insbesondere im Hinblick auf die öffentlichen Verkehrsmittel. Aber wegen dem mangelnden Vokabular waren manchmal unkonventionelle Kommunikationsmethoden notwendig, wie es an diesem Nachmittag in einem Restaurant der Fall war. Dass ich irgendetwas ohne Schweinefleisch essen wollte, konnte ich der Kellnerin nur vermitteln, indem ich mit meinem Zeigefinger meine Nasenspitze hochgezogen und dabei gegrunzt habe, während ich mit dem anderen Finger wedelte. Wenigstens habe ich sie zum Lachen gebracht.


Unweit vom Restaurant und in der Nähe der Bus Station findet sich ein Denkmal für die tatarischen Muslime, die im zweiten Weltkrieg auf Befehl von Josef Stalin aus der Krim deportiert wurden, was zu Massenhunger und -Krankheit führte, die der Hälfte der Krimtataren das Leben kostete. Wenn man diesen geschichtlichen Aspekt berücksichtigt, ist es nicht überraschend, dass die Minderheit auf der Krim bis heute ein gewisses Misstrauen gegenüber der Russischen Föderation beibehalten hat. Daher feierten sie die Wiedervereinigung nicht so frenetisch wie der Rest der Einwohner, und überwiegend sprachen sie sich sogar dagegen aus. Was ihre Gemüter jedoch besänftigte, war die Tatsache, dass ihre Sprache als weitere Amtssprache auf der Krim etabliert wurde. Das war offensichtlich eine viel weisere Entscheidung, als die Versuche der damaligen ukrainischen Übergangsregierung, die russische Sprache in der Ukraine zu verbieten.

Das Schwalbennest und Ai-Petri

Eines der berüchtigsten Orte auf der Krim ist wohl das Schwalbennest, das romantisch auf einer Klippe am Schwarzmeer positioniert ist. Es überrascht nicht, dass das kleine neugotische Schloss 2013 in die Liste von National Geographics Top 20 der wichtigsten Sehenswürdigkeiten aufgelistet wurde. Zweifelsohne gehört das Schwalbennest zu den herausragendsten Sehenswürdigkeiten in der Region.

 

Es gibt aber einen weiteren Ort, der nicht weniger beeindruckt, und dennoch weitgehend unbekannt geblieben ist. Vor einigen Jahren sah ich ein atemberaubendes Foto eines gebirgigen Gebietes, wo sich ein Gipfel mit einem Kreuz auf der Spitze befand. Wie der Ort hieß, fand ich nie heraus, bis ich Jahre später wieder auf das Foto stieß. Nicht lange vor meinem Aufenthalt auf der Krim erfuhr ich den Namen des Ortes auf dem Foto. Ai-Petri, und wie es der Zufall will, befindet er sich in den Bergen auf der Krim.

 

Bereits bevor wir Ai-Petri erreichen, hält unser Fahrer an mehreren fotogenen Stellen in den Bergen, unter Anderem an einem kleinen See, der seine grüne Umgebung und die allein stehende, verlassene Holzhütte perfekt reflektiert. Als wir ganz oben ankommen, legen wir in einem Restaurant eine Pause ein. Hier präsentieren uns die Einheimischen verschiedene lokale Weinsorten. Nachdem wir 9 verschiedene Sorten austesteten und dann noch einen starken Schuss Likör zu uns nahmen, der bereits genug war um uns zu benebeln, machten wir uns auf dem Weg zum Canyon, von wo aus wir eine wundervolle Sicht auf Yalta und das schwarze Meer genossen.

 

Besonders stark trägt der zuvor erwähnte Gipfel mit dem hölzernen Kreuz zum Wiedererkennungswert dieses Ortes bei. Die ständig vorbeiziehenden Wolken verstärken die einzigartige Atmosphäre dabei umso mehr. Als ich vor der Schlucht stehe, stelle ich mir die Hängebrücke vor, die hier - in eines der windigsten Orte auf der Krim - vor nicht langer Zeit den Berg mit dem Gipfel in 1200 Metern Höhe verband. Höchstwahrscheinlich wurde diese Brücke aus Sicherheitsgründen entfernt. In einigen Momenten stehen wir inmitten der Wolken, ohne irgendetwas zu sehen, und wann immer wir etwas sehen, dann verführt uns die Tiefe der Schluchten dazu, hinunter zu schauen.

 

Der Gipfel Ai-Petri reflektierte den Gipfel meines Trips auf der Krim. Ursprünglich war es nicht vorgesehen, die Halbinsel zu bereisen. Doch bereits vor dem Beginn der Krise in der Ukraine gab es konkrete Pläne, sowohl die Russische Föderation als auch die Ukraine zu bereisen. Nachdem ich eine ganze Weile die Nachrichten zur Krise verfolgte, erschien es nur sinnvoll, die geplante Reise mit einem Aufenthalt auf der Krim zu ergänzen, um genauer zu erfahren, was in der Region vor sich geht. Das Vorhaben stand endgültig fest, als sich herausstellte, dass der unbekannte Ort, der mich so lange schon faszinierte, auf der Krim befand.

 

Während sich die Halbinsel konträr zu vielen Darstellungen als ein sehr sicherer Ort herausstellte, stand mir der kompliziertere Teil der Reise als nächstes bevor. Bald würde ich versuchen, die russisch-ukrainische Grenze zu überqueren. In St. Petersburg, Moskau und auf der Krim lernte ich viel über die russische Sicht im Hinblick auf die Krise in der Ukraine. In Kürze würde ich die ukrainische Perspektive besser kennen lernen.



Travel Projects

I.    Around the World (2010)

II.   Stairway to Heaven (2011)

III.  Travelution (2012)

IV.  Era of Epicness (2013)

V.   Emergency Exits (2014)

VI.  Venture Capital Plan (2015)

VII. Age of Turbulence (2016)

VIII. Against All Odds (2017)

IX.  Evasive Maneuvers (2018)

 X.  ??? (2019)



Die Taschen waren voll mit Geldbündel. Jetzt musste ich schleunigst nach Merida gelangen, um all die Wertsachen zu sichern. Ankunft in Venezuela.


Ein Jahr ist es her, als die Krim auf eine kontroverse Art und Weise wieder ein Teil Russlands wurde: Eindrücke aus der Halbinsel sechs Monate später.


Was wäre, wenn man von einem Tag auf den anderen plötzlich das zehnfache oder zwanzigfache von seinem Geld besäße? In Venezuela kann sich diese Frage schnell beantworten lassen. Mehr dazu im Artikel Operation 'Lechuga Verde'


Kuriose Gesetze, düstere Legenden und weltbekannte Sehenswürdigkeiten. Ein paar Eindrücke aus London.


IranAnders meets Russia Today (Deutsch). 


Erinnerungen an Palästina im Dezember 2012: Christen und Muslime feiern gemeinsam Weihnachten unter Besatzung.


Standhaft im Fall der Fälle: Impressionen aus Beirut im September 2012, mit einem Blick auf die aktuellen Entwicklungen im Libanon und Umgebung.

 


Kharkiv im Spätsommer 2014:

Der Notstempel


Nach unzähligen typischen Nahost-Diskussionen: Eine fast typische Nahost-Diskussion.