Down Under: Impressionen aus Melbourne

Auch wenn es mit 16 Stunden der längste Flug der Weltreise war, handelte es sich bei dem Flug von Los Angeles nach Melbourne mit der Qantas-Airline um eines der angenehmsten Flüge. Auch wenn diese Fluggesellschaft nicht viel später Negativ-Schlagzeilen wegen Sicherheitsmängeln machen würde, hatte ich den Eindruck, dass Qantas die qualitativ höchsten Standards sowohl im Sicherheitsbereich als auch im Unterhaltungsbereich anbot. Eine vergleichsweise große Auswahl an elektronischen Medien ließ den Flug gar nicht so lange erscheinen. Am Abend des 11. Aprils war das Flugzeug start klar. Wir kamen aufgrund der Flugdauer und des großen Zeitzonenwechsels am 13. April an. Erstmals erreichte ich den geographisch deutlich isolierten Kontinent.

 

Auch in Melbourne werde ich von Verwandten wärmstens empfangen. Meine Cousine habe ich schon seit 14 Jahren - seitdem ich das letzte Mal in Pakistan war - nicht mehr gesehen. Ihren Ehemann und die Kinde lerne ich das erste Mal kennen. Bei ihnen zu Hause angekommen unterhalten wir uns ausführlich, bis mir angeboten wird mich auszuruhen. Trotz des Schlafmangels verspürte ich den Drang, die Stadt zu erkunden. Ich war zu aufgeregt und beschloss, einen Zug in Richtung Innenstadt zu nehmen.

 

Noch am selben Tag gehe ich zum Federation Square und betrachte mir die bunten und ausgefallenen Bauten, welche mit Ihre Farbenpracht die kulturelle Diversität in Melbourne zu reflektieren scheinen. Menschen aus aller Welt sind hier eingewandert, wobei die Chinesen, Pakistaner und Inder hier besonders prominent erscheinen. Es erklärt sich von selbst, dass dadurch der Bedarf für Auslandstelefonate deutlich höher ist als in anderen Ländern, was sich durch die vielen Promoter, die Flyer mit Angeboten für Telefonkarten für das Ausland zu erkennen gibt.

 

Der Kontrast zwischen der experimentellen modernen Architektur und den viktorianischen Bauten gibt Melbourne einen einzigartigen Touch. Gleichzeitig fühlt man sich oft trotz der geographischen Distanz an Europa erinnert, und das nicht nur wegen den vielen Deutschen und Engländern, die hier temporär oder langfristig leben. Besonders auffällig sind die vielen Straßenperformer, die die Fußgänger in verschiedenster Art und Weise und oftmals recht kreativ unterhalten. In Erinnerung bleibt vor allem eine Gruppe von Menschen, die Anzüge trugen und recht hymnisch und durch ihren Gesang zum Ausdruck brachten, dass sie vorbei wollen und alle doch bitte Platz machen sollten. Mit dem Satz "Let me through" endet der Refrain, während die Performer weiter die Straße entlang marschieren.

 

 

Recherchieren im Urlaub

 

Ich fange an über meine Magisterarbeit nachzudenken, die gibt es ja auch noch und ich muss sie bis Juli abgeben. Ich beschließe, ein wenig in der Melbourne bibliothek zu recherchieren und siehe da, ich habe sogar die ein oder andere hilfreiche Sache für meine Magisterarbeit gefunden.

 

Ich bin in eine Universitätsbibliothek, die state library of victoria. Eine echt tolle Bibliothek, da bekommt man sogar lust zu lernen

 

Auch habe ich in Melbourne etwas getan, was man im Urlaub normalerweise nicht tut. Ich bin in die Staatsbibliothek von Victoria und hab ein wenig gelernt. Für meine Magisterarbeit habe ich nach Quellen geschaut, allerdings habe ich mich auch nicht zu lange darin aufgehalten. Die Lust am Lernen war jedoch sehr groß, als ich in dieser Bibliothek drinnen war. Außerhalb der Bücherei sitze ich auf der Bank und lese etwas, bis ein Koreaner auf mich zukommt und mich anspricht. Er fängt an über Gott und die Welt zu sprechen. Irgendwann merke ich, dass er mich bekehren will. Er sagt Gott sei wie Luft... wir sehen ihn nicht, aber er ist da. Viele Leute suchen das Weite sobald Leute anfangen etwas zu predigen, aber in diesem Fall war es anders: Nachdem der Koreaner mindestens zehn Minuten lang gepredigt hab, war ich dran... ich fange an über den Islam zu reden und philosophiere noch viel mehr als er.... schließlich sucht er das Weite.

 

Die Bürgersteige in der Innenstadt sind gefüllt mit Promotern, die Flyer verteilen, welche mit Angeboten für Auslandstelefonate gefüllt sind. Es ist eine logische Konsequenz der Masseneinwanderung. In Australien trifft man auf Menschen mit verschiedensten Migrationshintergründe. Besonders stark vertreten sind Chinesen, Pakistaner und natürlich Europäer und US-Amerikaner.

 

Melbourne hat seinen ganz eigenen Stil. Es ist eine tolle Mischung aus Natur und Stadtleben, wobei letzteres künstlerisch sehr stark ausgedrückt wird, wie leicht zu erkennen ist an den ausgefallen konstruierten Bauten am Federationsquare. Die weiteren Tage gehe ich auf das Skydeck vom Eurecatower um von dort aus viele Fotos von Melbourne City zu schießen. In Melbourne habe ich viele unspektakuläre Dinge getan, die mich aber irgendwie inspiriert und gestärkt haben. Ich spreche von Bootsfahrten oder Spaziergänge am Yarra-River entlang.

 

.Allein die Streetperformer in Melbourne sind sehenswert mit verschiedensten Instrumenten, die sie spielen oder auch Acapella, wie die ca. 20 älteren Herren in einem Anzug, die eine super Performance hingelegt haben, eine Mischung aus lustig und dramatisch. Zurück in der Lounge lerne ich einen Paki namens Umair kennen, und erzählt mir bisschen was wegen uni fees, wie teuer die hier sind 15000 und die leute können es sich leisten, während in deutschland viele mit den 700 pro semester zu kämpfen haben

 

Mit Safia und ihrer Familie ging es heute zunächst in den botanischen Garten und dann in die Moschee: Es war nämlich Freitag. Ich habe mich dazu entschieden mit Saleem, der schon die Pilgerfahrt hinter sich hat, hinzugehen. Ich fand es gut, dass sie mich frei haben entscheiden lassen. Ich hatte bisher noch gar nicht gebetet auf meiner Weltreise, es wurde mal Zeit.

 

Danach ging es im schönen Wetter zu St. Kildas Beach. Abends wurde ich mal wieder gemestet. Ich habe mir bereits einige Strategien für Üakistan überlegt, da ich pakistanische Familien treffen werde, die mich sicherlich mesten werden. Ich konnte mich also schonmal darauf vorbereiten, was mich in Pakistan erwartet.

 

Apropos Vorbereiten auf Pakistan: In einer Zeitung hat mir Sal gezeigt, dass es wieder einen Anschlag in Pakistan gab, diesmal 71 Tote. Wir sind bei einer Freundin von Safia essen gegangen. Sie ist immernoch wie früher, eine super lustige und lebensfreudige Frau. Wir haben uns gegenseitig ein wenig geärgert. "Vergiss nicht, du bist nicht reisekrankenversichert!", drohte sie mir aus Scherz mit ihrer Faust hoch haltend-

 

Wir haben den 17. April, ich habe noch ein wenig Zeit in Australien, dann geht es ins nächste Land. Ein Ziel war definitiv noch obligatorisch: Der Zoo in Melbourne, welcher wirklich empfehlenswert ist, wenn auch hier kapitalistisch mit den Besuchern umgegangen wird. Ich ließ die Gelegenheit nicht aus, mir die Känguruhs mal näher zu betrachten, auch zu Freuden von Safias Kindern. Wir haben diese gefüttert. Seitdem kann ich mir nicht vorstellen jemals Känguruhfleisch zu essen, diese Tiere sind sau cool! Nachdem wir uns verschiedene Spinnen und Schlangenarten, sowie natürlich auch Koalabären angesehen haben, ging es nach Hause. Insgesamt waren wir 8 Stunden unterwegs.

 

So bunt die Tiere, die Pflanzen und auch die Gebäude in Melbourne sind, genauso bunt gemischt sind die Menschen hier, die aus verschiedensten Ländern wue z.B. China, Pakistan, Deutschland, Schweden oder Somalia kommen. Es ist die Stadt der Kontraste, Centre of Style, City of Sporting, die Natur sticht umso mehr heraus neben der Stadt und umgekehrt

 

Heute habe ich einen River Cruise unternommen und habe ein paar weitere Eckchen von Melbourne gesehen wie etwa die Herring Islands, eine kleine Bootsführung im sonnigen Wetter.

 

Am nächsten Tag ging es nach Greensvale, ein netter Ort mit schönen Aussicht und einer Vielfalt an Vögeln, die sich viel extrovertierter verhalten als in Deutschland. Auch ging es in den Coburg Lake Park, das Wetter spielte glücklicherweise mit, so dass wir ein Picknick veranstaltet haben. Melbourne ist wohl von allen Ländern der friedlichste und sicherste Ort.

 

 

Okay, nun wird es langsam ernst. Ich bereite mich einen Tag vor den nächsten Abflug gut vor, denn mir stehen nun zwei länder bevor, in denen ich ganz auf mich alleine gestellt bin. Jetzt darf ich keinen Fehler machen. Ich check alles ab wie Pass, ticket, bankkarte, genug wasser (in malaysia kein wasser trinken)... gleichzeitig darf ich nicht vergessen, dass meine cam aufgeladen ist, alle bisherigen fotos hab ich auf den desktop kopiert sowie aufm usb stick (doppelt hält besser). Ich check die hostels ab, den weg, flughafenbedingungen, verkehrsmöglichkeiten, preise, zollregeln und und und...

 

Es gibt 2 Sachen, die ich mit mir trage... nur diese Dinge helfen mir diese reise heil zu bestehen. Ein Koranbuch.... und ein mp3 player... solange ich das bei mir habe wird es schon gut gehen ^^

 

Eureka Tower, der nicht nur durch seiner größe, aber aufgrund die Schmalheit heraussticht.s

 

In Melbourne lässt es sich gut leben, selbst als Student, wo man tausende von Euro pro Semester bezahlt. Für einen Deutschen mag es seltsam vorkommen, ist es doch nicht lange her, dass man viele Proteste startete wegen der Einführung von Studiengebühren von etwa 500€ pro Semester.

 

Shrine of remembrance war memorial

 

In Island ist vor einigen Tagen ein Vulkan ausgebrochen. Dies hat auch Auswirkungen auf meine Pläne. Ursprünglich war Island der erste Stop für meine Reise (war ein free stopover bevor ich new york erreiche), allerdings habe ich mich lieber für andere stops entschieden. In Europa sind viele Flughäfen gesperrt, darunter auch der Frankfurter Flughafen, allerdings dauert es eh noch ein Weilchen, bis ich wieder in Europa bin, vorher noch ein paar asiatische Länder. Das Problem ist nun, dass viele Menschen, die zum Beispiel nach Deutschland wollten, in Ländern wie China und vor allem Malaysia festsitzen. Die Implikation ist, dass Hotels total ausgebucht sind. Besonders in Kuala Lumpur, was meistens ein stopover ist, sollte es eng werden und ich konnte ja keine Hostels von vorneherin buchen, da ich keine kreditkarte habe.

 

Heute Nacht erfahre ich ebenfalls von Saleem, dass die Asche des Vulkans Korea erreicht hat. Naja, mal sehen wie sich das ganze entwickelt.

 

in melbourne gibt es viele promotions für internationale anrufkarten... logisch bei so vielen immigranten, die familie in anderen ländern haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurück bei meinen Verwandten werde ich mindestens genauso sehr mit meiner originellen Kultur konfrontiert, wie mit der australischen. In Pakistan ist die arrangierte Ehe nicht unüblich, und Ehen, die aus einer Liebesgeschiche entstanden, nicht selten verpöhnt. Dadurch entsteht im Westen die irreführende Vorstellung einer Leidenschaftslosigkeit im Falle einer arrangierten Ehe. Meine Verwandten würden nicht die einzigen sein, die mich eines besseren Belehrten. Auch wenn ich mir persönlich keineswegs eine arrangierte Ehe vorstellen könnte, war ich fasziniert über die Tatsache, wie harmonisch eine arrangierte Ehe doch sein kann und wie disharmonisch so viele freiheitlichen Liebesbeziehungen in Europa sind, in der die Ansprüche - und somit auch die Enttäuschungen - zunehmend wachsen, je mehr Partner man sich frei aussucht. In Pakistan sowie auch in vielen anderen Ländern beginnt die Liebe quasi erst mit der Ehe und wird von Mann und Frau gemeinsam entwickelt, so dass keine Unausgewogenheit im Hinblick auf die Gefühle der beiden entsteht, die zu viel Disharmonie führen kann. Die typischen Eheprobleme sind sicherlich nicht abstinent und das freiheitliche Gefühl würde man hier vermissen. Gleichzeitig bestätigen die demographischen Entwicklungen in der westlichen Welt die Problematik, die wir in unserer Bevorzugung der Liebesehe haben. Die Scheidungsrate und die Singlerate sind rasant angestiegen, aber das "Romeo und Julia"-Szenario hat uns gelehrt, dass jegliches Opfer für die freiheitliche Liebe es Wert ist, ein nobler und gleichzeitig gefährlicher Gedanke, der viele Nachgenerationen Erfahrungen machen lassen würde, die zum Zynismus geradezu anstiften. Ich lernte in diesen Tag, wie falsch ich lag mit meinem Bild einer arrangierten Ehe, auch wenn ich mir das für mich selbst nicht vorstellen könnte. Denn zuvor muss man sich überhaupt erst einmal eine Ehe vorstellen können.

 

 

Abends ging es zu Bekannten, die uns zum Essen eingeladen haben. Wie bei pakistanischen Familien gewöhnlich, bietet man mir nach einer guten Portion mehr an. Ein "ich bin satt" wird in diesen Kulturkreisen schnell als ein "es schmeckt mir nicht" interpretiert. Erst einen Tag zuvor im Zoo wurde ich gefragt ob mir das essen denn nicht schmecke, weil ich auf eine weitere Portion verzichtete. Ich lehne dankend ab und war satt. Saleem bemerkt, dass das Essen sehr gut schmeckt. Sein Bruder bestätigt das. Es herrscht Stille, bis ich bemerke, dass Saleem mich anschaut und ich diese pragmatische Strategie anfange zu verstehen. Ich blicke rüber zu den Damen und sage: "Yes, it tasted great!"

 

 

Nachts denke ich über den bevorstehenden Flug nach Mein Cousin telefoniert mit Verwandten in Pakistan und fragt was es Neues aus Pakistan gibt "Ich weiß bestimmt mehr über die aktuelle Lage in Pakistan als ihr selbst, immerhin habt ihr ja keinen Strom", scherzt er und spielt dabei auf das Problem der Stromausfälle in Pakistan an. Am nächsten Morgen fragt er mich nach einigen Buchungstipps, da er sich für eine Konferenz bald nach Wien, Bonn und Zürich begeben muss.

Travel Projects

I.    Around the World (2010)                                                           

II.   Stairway to Heaven (2011)

III.  Travelution (2012)

IV.  Era of Epicness (2013)

V.   Emergency Exits (2014)

VI.  The Slippery Path of Uncertainty (2015)

VII. Age of Turbulence (2016)

VIII. Against All Odds (2017)

IX.  Evasive Maneuvers (2018)

 X.  Home is Everywhere (2019)

XI. ??? (2020)